Archiv der Kategorie: Medientheorie

Gauchogate oder die Illusion des seriösen Journalismus

Der Gauchotanz von Teilen der deutschen Nationalmannschaft war möglicherweise „eine üble Schnapsidee“ (FAZ). Darum geht es hier aber nicht. Gauchogate ist viel mehr ein Paradebeispiel dafür, dass es den Verantwortlichen in den als seriös geltenden Medien völlig egal ist, dass sie ihr ursprüngliches Produkt – die Vermittlung von glaubwürdigen Informationen –  durch derartige onanistische selbstreferentielle Berichterstattung zum Verschwinden bringen. Und warum ist es ihnen egal? Weil es längst nicht mehr um Informationen geht. Weiterlesen

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Picture this – Das Plattencover zwischen Kunst und Kommerz

Schallplatten gehören seit meiner Teenager-Zeit zu meinem Alltag. Schon damals fand ich es aufregend, mich in Plattenläden herumzutreiben, auch wenn das Taschengeld längst alle war. Mehr als eine Single im Monat war in der Regel sowieso nicht drin, weshalb sich meine Bekannschaft bei vielen Künstlern auf das Cover beschränkt hat. Wenn eine Platte ein Cover hatte, das mir gefiel, kam sie auf meinen Wunschzettel. Der visuelle Aspekt war also für meine musikalische Geschmacksbildung durchaus von Bedeutung. Das hat sich bis heute nicht groß verändert: Wenn mich ein Cover packt, möchte ich wissen, was für Musik dahinter steckt. Weiterlesen

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Geistiges Eigentum und die Kopie

Die Befürworter einer Liberalisierung des Urheberrechtsschutzes halten Geistiges Eigentum für eine Fiktion. Mit dieser Entwertung soll denjenigen, die diese „Fiktion“ schaffen,  jegliche Leistung abgesprochen werden, die würdig wäre, geschützt und angemessen entlohnt zu werden. Ein Paradebeispiel für diese Ansicht hat der Fachanwalt für IT-Recht Thomas Stadler auf seinem Blog internet-law.de mit dem Beitrag Müssen wir uns vom Konzept des geistigen Eigentums verabschieden?“  im März 2013 veröffentlicht. Dass der Titel überhaupt als Frage formuliert wurde, ist erstaunlich, denn eine halbwegs objektive Auseinandersetzung findet nicht statt. Weiterlesen

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Redundanz makes reality go round (sing it again, boys and girls!) – 10 Thesen über ein Thema

Wer den Fernseher einschaltet, kommt nicht daran vorbei: Ein Protagonist spricht in die Kamera und beschreibt exakt das, was im Augenblick zuvor zu sehen war. Was ist passiert? Sind die Zuschauer plötzlich mehrheitlich blind geworden? Natürlich nicht – es ist die Bestie der unbegrenzten Redundanzen, die uns hier ihr schreckliches Angesicht zeigt. Nehmen wir also die Gelegenheit wahr und schauen sie uns etwas genauer an.

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Meinungsfreiheit / Freedom of speech (Remix)

„I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it“

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“

S. G. Tallentyre, Voltaire zugeschrieben. Weiterlesen

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Religion und Hysterie – der antisemitische Beißreflex

Religion und Hysterie – der antisemitische Beißreflex

Ich habe mir eben „The Innocence of Muslims“ angeschaut, jenen „Film“, der angeblich für die Empörung in der muslimischen Welt gesorgt hat und letztlich für Krawalle und Tote verantwortlich sein soll.

Ehrlich gesagt, habe ich das Ding nicht ganz gesehen, ich habe es nur bis zur siebten Minute geschafft. „The Innocence of Muslims“ ist nämlich gar kein Film, sondern eine auf billigste Art produzierte Aneinanderreihung von, äh… „Szenen“, die rein gar nichts miteinander zu tun haben und völlig sinnfrei sind und die sich kein Mensch jemals angeschaut hätte, hätte es diese ganze Aufregung nicht geben.

Angeblich soll es sich bei den 13 Minuten, die das Video dauert, nur um Ausschnitte aus einem ca. 80minütigen Film handeln, quasi um einen Trailer. Nun sind diese 13 Minuten schon so quälend öde (ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass nach den sieben Minuten, die ich ausgehalten habe, plötzlich etwas interessantes oder gar gotteslästerliches passiert), dass die meisten Menschen, würde man sie zwingen, sich die 80 Minuten Fassung anzuschauen, vermutlich den Freitod vorziehen würden, um diesem Schicksal zu entgehen. Rein ästhetisch gesehen, ist dieses Video also reine Pixelverschwendung.

Nun sind die fundamentalistischen Krawalle, die Toten und der immense Antisemitismus aber real, so dass man sich unwillkürlich fragt, wie denn ein so unbedeutender „Film“ eine dermassen große Wirkung haben kann.

Stefan Frank hat sich auf lizaswelt.net sehr lesenswert mit den möglichen politischen Hintergründen auseinandergesetzt, und nach allem, was ich bisher zu diesem Thema gelesen habe, ist er der erste, der das tatsächliche „Film“-Material zur Grundlage seiner Analyse herangezogen hat.

Der wahre Skandal ist nicht dieses Video, sondern seine Instrumentalisierung zur Verstärkung des in weiten Teilen der muslimischen Welt fest verankerten Antisemitismus.

Lizas Welt

In den ersten Berichten über »Innocence of Muslims« hieß es, der »Film« sei von einem »israelisch-amerikanischen« Immobilienhändler produziert worden, der dafür nach eigenen Angaben »fünf Millionen Dollar« von »hundert Juden« erhalten hatte. Inzwischen weiß man mit Sicherheit, dass eine solche Person nicht existiert. Doch schon von Anfang an hätte jeder Journalist sich durch einmaliges Anschauen des Videos davon überzeugen können, dass die Geschichte nicht stimmen kann – und es folglich unterlassen sollen, diese Ente weiterhin zu verbreiten. Die Behauptung, der Film habe einen jüdischen Urheber, kann letztlich keinen anderen Grund haben als den, dass unter Muslimen noch mehr Hass auf Juden entfacht werden soll.


VON STEFAN FRANK*


Es ist eine Lüge zu behaupten, die Djihadisten, die überall auf der Welt marodieren, seien »wütend« auf einen »islamfeindlichen Film«, weil in ihm der Prophet Mohammed geschmäht werde. Erstens: Djihadisten sind immer wütend, darum sind sie ja Djihadisten. Zweitens: Sie würden sich auch…

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