Christians kommentierter Spotify-Mix für die 45. und 46. Woche

Wenig Zeit zum Bloggen, deshalb dieses Mal zwei Playlisten in einer und nur Kommentare zu Songs, zu denen mir spontan etwas eingefallen ist. Interpreten, die schon in anderen Playlisten aufgetaucht sind, habe ich ebenfalls ausgelassen. Der Link zum Mix verbirgt sich hier, die eingebettete Liste findet ihr am Schluß.

Barefoot Jerry „Smokies“ Hätte nicht gedacht, dass mir ein Song einer Band mit solch einem blöden Namen gefällt. Aber doch. Doch, doch. „Smokies“ zeigt, dass auch akustische Gitarren einen Song antreiben können. Der sehr gute Harmoniegesang und der kurze Sophisto-Break in der Mitte erinnern etwas an die Beach Boys zur Zeit von „Wild Honey“, was nicht ihre schlechteste Phase war.

Joe Henry „Civilians“ Finde ich auch gut. Hat was von Tom Waits, ziemlich viel sogar, der Gesang ist aber konventioneller, was ich ehrlich gesagt gar nicht schlecht finde. Musik zum Fingerschnippen.

McGuiness Flint „When I’m Dead And Gone“ Eigentlich wollte ich die Zahl der Kommentare knapp halten, aber das wird wohl nix. Das hier ist auch nicht schlecht. Country/Folk der guten Sorte.

dbyrdDonald Byrd „Cristo Redentor“ Von „A New Perspective“, dem Album, auf dem er seine Band mit einem Chor angereichert hat. Melodischer und softer Jazz mit Gospelfeeling, dem für meinen Geschmack etwas mehr Wagemut und Power gut getan hätte (vergl. Max Roach „It’s Time“). Das Cover ist allerdings toll.

Bo Hansson „The Black Riders (Fight To The Fjord)“ Dem Albumtitel nach scheint das hier von Tolkiens Herr der Ringe beeinflusst zu sein. Das macht diesen überflüssigen Mist nicht einen Deut besser.

Kurt Vile „Wakin On A Pretty Day“ Solides Stück Melodic-Americana.

Kourosh „Gole Yakh“ Den musste ich googlen. Iranischer Sänger, der nach 1979 erst mal 17 Jahre (!) Auftrittsverbot auferlegt bekam. Der Song ist nicht meins.

nprassNatalie Prass „Why Don’t You Believe In Me“ In ihrer Spotify-Biografie wird ihre Musik in die Nähe von Dusty Springfileds Blue-Eyed-Soul gerückt – ganz schön große Schuhe, die aber tatsächlich halbwegs passen. Die Arrangements zwischen großem Pop und erdigen Soul sind schon ähnlich, Dustys Stimme ist aber kräftiger und ihre Songs sind besser.

curtis_rootsCurtis Mayfield „We Got To Have Peace“ Einer von den Künstlern, die sich durch die alles durchdringend Humanität in ihren Songs unangreifbar gemacht haben. Wer an Curtis was zu meckern hat, ist ein schlechter Mensch. Punkt.

Rufus Wainwright „Oh What A World“ Ich mag ihn, obwohl ich – wie ich in einer der Vorwochen schon geschrieben habe – weiß Gott kein Freund von Kleinkunst bin und Rufus in seinen weniger guten Songs arg nach „Schmidt’s Theater“ klingt. „Oh What A World“ hat einen guten, spannungsvollen Aufbau, angelehnt an Ravels „Bolero“, der auch ausgiebig von den Streichern zitiert wird. Rufus singt sehr schön.

The Staple Singers „For What It’s Worth“ Was ich über Curtis Mayfield geschrieben habe, gilt Wort für Wort auch für die Pop Staples und seine Töchter. Mavis Staples ist die beste Soulsängerin, die ich kenne.

Dur-Dur Band „Dooyo“ 70s Funk mit exotischem Gesang (ich würde auf indisch tippen). Ziemlich obskures Zeugs und deshalb potentiell interessant, aber der dumpfe Pappkarton-Sound macht nicht wirklich Spaß.

Laura Veirs „Sun Is King“ Atmosphärischer, sensibler Neo-Country. Schon hübsch, aber austauschbar. Sowas scheint’s mittlerweile tausendfach zu geben.

howeHowe Gelb „Vortexa“ Howe schon wieder. Hier gibt er den elegant-knarzenden Country-Crooner, der sich in eine Loungebar verirrt hat.  So klingt Las Vegas bei Kerzenschein.

Cat Stevens „Trouble“ Ich habe mein Lebtag keine seiner Platten besessen und streame seine Musik auch nicht. Nur das das klar ist.

Chain and the Gang „Certain Kinds Of Trash“ Eine Band von/mit Nation Of Ulysses/The Make-Up-Sänger Ian Svenonious. Toller, sehr straighter Lo-Fi-Trashrock, reduziert, funky, sleazy und berstend vor Coolness.

The Allman Brothers Band „Midnight Rider“ Wenn man wie ich jahrelang im Plattenladen mit beinharten Deadheads zusammen gearbeitet hat, kommt man auch den Allmans nicht ungeschoren vorbei. Fan bin ich nicht geworden, aber das „Live at the Fillmore“-Album lege ich ab und zu auf.

Asha Puthli „Space Talk“ Verhuschter Disco-Track aus den späten 70ern. Frau Puthli singt wie eine asthmatische Kate Bush auf Valium. Wenn man mir erzählt hätte, das hier sei eine Parodie, ich hätt’s geglaubt.

Vic Chestnut „Flirted With You All My Life“ Hass-/Liebeslied an den Tod. Herzzerreissend, kann einen zum Heulen bringen.

Blake Mills „I’m Unworthy“ Spielt mit dem Gegesatz von laut und leise, richtig spannend finde ich es aber nicht.

PJ Harvey “ Sheela-Na-Gig“ Klasse Song, klasse Frau.

Elvis Presley „Crawfish“ Atmosphärischer Swamp-Groove.

Supergrass „Coffee In The Pot“ Charmantes Instrumental, dass man auch problemlos beim nachmitäglichen Tanztee im Cottage auflegen könnte.

Bettye Swan „Then You Can Tell Me Goodbye“ Toller Soulsong mit Gänsehauteffekt.

Traffic „Feelin‘ Alright“ Schön groovender R’n’B-Track mit Gospeleinflüssen.

Sun Ra & His Arkestra „Nuclear War“ Wenn ich König wäre, gäbe es einen Sun-Ra-Feiertag, an dem 24 Stunden lang nur seine Musik gespielt werden dürfte. Danach ist der Kopf frei und das Denken fliesst wieder! „Nuclear War“ ist ein für Sun Ra-Verhältnisse ziemlich straighter Song mit Vocals, die über den „Motherfucker“ atomarer Krieg erzählen (singen kann man das nur bedingt nennen). Ich glaube, Brian Ritchie von den Violent Femmes hat den Song gecovert (müsste auf SST erschienen sein).

Dungen „Sätt Att Se“ Langsames Stück Neo-Psychedelica mit schwedischem Gesang, was die bewußtseinserweiternde Wirkung für Nicht-Skandinavier deutlich verstärkt.

The War On Drugs „Eyes To The Wind“ Da spielt Kurt Vile mit, der weiter oben schon besprochen wurde. Der Song ist betont schön und betont geschmackvoll, ohne jegliche Ecken oder Kanten, aber auch ohne allzu viele Ideen.

Jonathan Wilson „Desert Raven“ Wenn man es schafft, das furchtbare einminütige Synthieintro zu überstehen, kann man ein entspanntes Stück Mellow-California-Rock hören. Hat seine Momente, mich erinnert es aber etwas zu sehr an Langweiler wie America.

Linda Perhacs „The Soul Of Natural Things“ Sehr zarter Hippiefolk, der mich ob seiner verhuschten Friedfertigkeit allerdings aggressiv macht. Da hilft auch der kurze Flamenco-Break nichts.

Happy Mondays „Bob’s Yer Uncle“ Bescheuerte Band, schon immer gewesen.

The Units „High Pressure Days“ Wave-artiger Powerpop mit Synthies. Nach drei Sekunden fängt’s an zu nerven, wenn aber etwas durchhält, entwickelt es durchaus einen reizvollen Drive.

Count Five „Psychotic Reaction“ Klassiker des psychedelischen Prä-Punk-Garagenrocks. Zu recht.

sinkaneSinkane „New Name“ Muliinstrumentalist, der ursprünglich aus dem Sudan stammt und seit seiner Kindheit in den USA lebt. Ich erwähne den Lebensweg, weil man diese Einflüsse deutlich hören kann: Wenn Marvin Gaye und Fela Kuti ein musikalisches Kind gezeugt hätten, würde das so klingen. Das ganze Album ist gut.

The Sonics „Shot Down“ Mit das beste, was man an rotzigem, dreckigen Garagenrock aus den 60ern hören kann. Die Sonics sind immer noch aktiv und sollen immer noch gut sein.

The Upsetter „The Return Of Django“ Instrumentaler Reggae-Klassiker vom großen Lee Perry. Die Melodie kennt jeder.

Cymande „Dove“ Unwiderstehliche Kombination aus Funk, Psychedelica und verkiffter Black-Sabbath-Planet-Caravan-Atmosphäre. Die Sogwirkung des Songs ist erstaunlich.

John Lennon „#9 Dream“ Träumerisches Nacherleben eines Traums.

T. Rex „Mambo Sun“ Dunkel groovender Aufreisser-Bluesshuffle mit wunderbar exotischer Poesiealbum-Lyrik. Richard Barone hat mit den Bongos anfang der 80er eine tolle Coverversion gemacht. Hab ich als 7″.

Spectral Display „It Takes A Muscle (To Fall In Love)“ Haben manche Leute eigentlich keine besten Freunde, die ihnen sagen, dass die Welt auch ohne ihre Musik auskommt?

Saint Etienne „Mario’s Café“ Maßlos überschätzte Band, wenn man die Qualität ihrer mittelmässigen, im Niemandsland von Pop und Dance herumdümpelden Songs betrachtet.

Allah-Las „Sacred Sands“ Leicht wehmütiges Surf-Instrumental mit ziemlich originalen 60s-Sound, obwohl die Band aus der jetzt-Zeit stammt. Würde man nicht vermuten, wenn man die Songs hört. Gute Band, gefällt mir.

The Breeders „Drivin‘ On 9“ Guter Folk/Country-Shuffle inklusive Banjo und Fiedeln von einer der klassischen Alternative-Bands.

Black Sabbath „Planet Caravan“ Wenn man vom Teufel spricht (siehe Cymande „Dove“), ist Ozzy nicht weit. „Planet Caravan“ bringt Bongs zum Blubbern,  ganz von alleine.

Mulatu Astake „Tezeta (Nostalgia)“ Wunderbar sanft swingender Jazz aus Äthopien. Tolle Melodie, der Saxofonist und der Pianist sind weltklasse.

Marine Girls „A Place In The Sun“ Girlgroup mit Tracy Thorn aus der Zeit vor Everything But The Girl. Sängerin in diesem Stück ist allerdings Alice Fox, die einen ähnlich cool und unbeteiligt klingenden Gesangsstil hat, wie Alison Statton von den Young Marble Giants. Auch das sparsame Arrangemant erinnert an die Giants. Schön.

 

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Eingeordnet unter Alternative, Christians kommentierter Spotify-Mix, Jazz, Musik, Pop, Texte

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