Christians kommentierter Spotify-Mix für die 44. Woche

Keine Playlist ohne die direkte oder indirekte Beteiligung von Neil Young (mehr dazu später), plus ein bunter Stilmix, der aber erstaunlich gut zusammenpasst. Playliste wie immer am Schluß oder hier.

go_betweensThe Go-Betweens „Streets Of Your Town“ Wenn deutsche Radiostationen überhaupt mal was von den Go-Betweens spielen, dann diesen wunderschönen,  federleichten Popsong aus der Feder von Grant McLennan. Ein Song, der die Sonne aufgehen lässt. McLennans unerwarteter Tod 2006 hat mich damals zum Heulen gebracht hat, was mir nicht mal beim Ableben von Lux Interior und Alex Chilton passiert ist.

Dengue Fever „Ethanopium“ Amis mit einer Kambodschanischen Sängerin, die in Khmer singt. Dieses Stück ist allerdings ein Instrumental und hat eher afrikanische Einflüsse. Habe mich ein wenig durch ihre doch schon zahlreichen Veröffentlichungen durchgehört und empfehle euch, das auch zu machen. Die sind richtig gut.

The Monkees „Porpoise Song (Theme from ‚Head‘)“ Die Monkees wurden damals von den Hipstern abgelehnt, weil sie eine Casting-Band waren, ihre Instrumente nicht selber spielten und keine eigenen Songs geschrieben hatten. Dabei waren das in der Regel großartige Songs, die verdient vordere Plätze in den Charts verbuchen konnten. Den Byrds, die auch mit fremden Material ihre größten Erfolge hatten, hat man das nicht übel genommen. Irgendwann war es den Jungs dann zu blöd, und sie wollten künstlerisch eigenständiger agieren. Leider ging mit den eigenen Songs auch der Erfolg flöten, zu unrecht, wie dieses wunderbar schwebende Stück Pop-Psychedelica beweist. Der dazu gehörige Film ist alledings prätentiöser Underground-Mist.

Korrektur: Der wunderschöne „Porpoise Song“ ist einer der wenigen auf dem Album, der NICHT aus der Feder eines Monkees stammt, sondern von Carole King und Gerry Goffin geschrieben wurde. Richtig sind meine Ausführungen in dem Sinne, dass auf den späten Alben verstärkt von den Monkees verfasste Songs auftauchen, meistens welche von Michael Nesmith, der zweifellos der musikalisch talentierteste war.

The Flamingos „I Only Have Eyes For You“ Zauberhaft funkelnder, sehr eleganter DooWop. Toll.

Blaze Foley „If I Could Only Fly“ Das direkt nach den Flamingos zu bringen, grenzt an Körperverletzung. Schnarchnasiger Akustik-Folk mit leierigem Gesang.

Henri Texier „L’élephant“ Ein fantastischer Jazzbassist, den ich bisher nur von seinen tollen CDs mit Aldo Romano und Louis Sclavis her kannte.  „L’éléphant“ ist ein wunderschönes Basssolo mit Backgroundgesang. Texier spielt gleichzeitig Rhythmus und Lead. Klasse.

John Kongos „He’s Gonna Step On You Again“ Klingt wie die Schnittmenge aus „Come Together“ und Johnny Wakelins „In Zaire“, mit einem Spritzer T.Rex zur Abrundung.

Stanley Brinks and The Wave Pictures „Orange Juice“ Unfertiges Indiegedaddel. Soll wohl auf lässige Art tiefschürfend wirken, klingt aber nur wie ein Demo. Textlich orientieren sich die Jungs an „Feel Good Hit Of The Summer“ von den Queens Of The Stone Age, aber natürlich in einer Indie-Weichei-Version ohne die Nennung harter Drogen.

Sweet Tea „After Laughter (Comes Tears)“ Das ist selbst für Reggaeverhältnisse langsam, hat dafür aber ordentlich Soul.

Gil Scott-Heron & Brian Jackson „Winter In America“ Conscious-Jazz-Funk-Gedaddel, wie es in den 70ern en Vogue war. Ich habe ja letzte Woche schon an Scott-Heron herumgemeckert und ich muss das nochmal wiederholen. „Winter In America“ ist so lasch und beliebig, dass man einschläft, bevor man die Message verstanden hat. Offenbar habe ich diesen Mann jahrelang total überschätzt.

Billy Swan „Don’t Be Cruel“ Der Rhythmus kocht auf Sparflamme, alles klingt sehr reduziert, dafür aber deutlich dramatischer als Elvis‘ eigene Version. Gefällt mr.

New York Dolls „Personality Crisis“ Mir gefallen die Dolls vor allem, weil die Ramones sie als eine der Bands genannt haben, die als Vorbild massgeblich zu ihrer  Gründung beigetragen hat. Ohne die Dolls hätte die Musikszene in New York Mitte/End der 70er definitiv anders ausgesehen.  Musikalisch finde ich die Solosachen von Johnny Thunders allerdings viel spannender, weil dreckiger und rotziger.

Warren Zevon „Carmelita“ Ballade über Drogensucht und Liebe mit – angesichts des Titels nicht verwunderlich – mexikanischem Flair. Ein guter Countryinterpret würde einem mit so einem Thema direkt ins Herz treffen, aber Zevon zielt nicht mal richtig. Mich holt er jedenfalls nicht ab.

Paul McCartney „Momma Miss America“ Instrumental von Pauls erstem Soloalbum nach den Beatles. Wäre im Blindtest nicht auf ihn gekommen. Klingt wie eine Skizze zu einem „richtigen“ Song.

Shuggie Otis „Aht Uh Mi Hed“ Soft-Funk mit sanft vor sich hin pluckerndem Latin-Groove. Muss man vorsichtig hören, zerbrechlich!

Garnet Mimms & The Enchanters „As Long As I Have You“ Schöner, treibender R’n’Blues-Song aus den frühen 60ern. Garnet Simms war (ist?) ein ziemlich guter  Sänger, merkwürdig, das der nicht bekannter geworden ist.

fat_whiteThe Fat White Family „Touch That Leather“ Band aus der Jetzt-Zeit, die ihren schmierigen, politisch totalst unkorrekten, dafür aber gut abgehangenen Rock’n’Roll aus einer Zeit importiert, in der „sleazy“ noch ein Qualitätsbegriff war. Für Fans der Mad Daddys, von Link Wray, Ronnie Dawson et al. In „Touch That Leather“ wird das Gitarrenriff aus Tav Falcos Version von „Brazil“ zitiert,  neben dem großartigen Bandnamen ein Grund mehr, hier die Höchstpunktzahl zu vergeben.

M. Ward „Let’s Dance“ Auf Akustikgitarre und Gesang reduzierte Version von Bowies Klassiker. Gefällt mir besser als das Original.

isley_brosThe Isley Brothers „Ohio/Machine Gun“ Neil Young und Hendrix in einem Song, und in was für einem! So intensiv, packend, berührend und wahrhaftig sollten Songs mit Message klingen, dann kommt die Radikalität der Texte auch beim Hörer an (vergl. Gil Scott-Heron). Hier stimmt alles, die Band spielt intensiv und konzentriert. Da jemand herauszuheben ist unsinnig, trotzdem: Ernie Isley ist ein unglaublcher Gitarrist und steht wie Funkadelics Eddie Hazels zu Unrecht im Schatten von weißen Gitarrengöttern wie Clapton und Page. Ronald Isley ist einer der besten Soulsänger überhaupt.

Blind Willie Johnson „Dark Was The Night, Cold Was The Ground“ Intensität konnten die Blueser in den 30er Jahren auch gut, und das ganz ohne Begleitung – vor allem, wenn sie ein „Blind“ vor ihrem Namen haben. Das hier ist total sparsam, aber verdammt packend. Wow!

Ananda Shankar „Jumpin‘ Jack Flash“ Der Stones-Klassiker als groovige, räucherstäbchen-kompatible Sitar-Version. Gabor Szabo hat in den 60ern auch so ein Album eingespielt. Hört man ein Mal, dann ist der Witz schal, es sei denn, man ist Sitar-Fetischist.

Buffy Sainte-Marie „Helpless“ Der „weinerliche Klassiker“ aus dem Mix der 39. Woche in einer nicht ganz so schlappen, gospelartigen Version.

Crosby, Stills & Nash „Suite: Judy Blue Eyes“ Es ist ja nicht so, dass ich Neil Young und die mit ihm assoziierten Bands nicht mag, aber ihr gehäuftes Auftreten in meinen Playlisten entspricht in keiner Weise dem Grad meiner musikalischen Symphatie für die Jungs. CS&N zB fand ich SCHON IMMER eher furchtbar, das möchte ich hier mal ganz deutlich sagen. Selbst wenn Young dabei war, waren sie im besten Falle halbwegs erträglich. Hier ist er das nicht.

Laura Nyro „Stoned Soul Picnic“ Eine tolle Songwriterin und Sängerin mit einer sehr eigenen musikalischen Sprache. Heute ist sie so gut wie vergessen, was angesichts ihrer wunderbaren Songs eine echte Schande ist.

blind_boysThe Blind Boys Of Alabama „Way Down In The Hole“ Gospelartiger Blues von einem halben Dutzend blinder Jungs, die den Teufel dahinschicken wollen, wo er hingehört: Way down in a hole. Lässt den Fuß wippen.

Camille Yarbrough „Take Yo Praise“ Camilles funkige, sexy Liebeserklärung an ihren Liebsten kennen die meisten in der Version von Fat Boy Slim, der den Song ziemlich ausführlich gesampelt hat. Hat er gut und mit viel Respekt gemacht, aber das Original ist besser.

Mercury Rev „Holes“ Liegen mit diesem Song stilistisch irgendwo zwischen Sigur Ros und Spiritualized. Das hat Pathos, ohne peinlich zu klingen, vor allem weil der Einsatz des Theremins durchaus humoristische Züge hat.

BC Camplight „You Should’ve Gone To School“ Schöner athmospärischer Popsong mit androgynem Gesang. Klingt als ob David Lynch die Beach Boys produziert hätte.

Matt Berry „Take My Hand“ Orientiert sich an den großen Popentwürfen von Bacharach und David und das Ergebnis kann sich hören lassen. Der Schluß ist allerdings merkwürdig.

Mark Hollis „The Watershed“ Sehr schöner Ambient-Jazz, Musik wie ein getupftes Aquarell. Musikalisch gefällt mir das sehr gut, aber ich mag seine Stimme immer noch nicht.

Nächste Liste ist schon in Arbeit. Ich freue mich übrigens über Kommentare. Bis bald!

 

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Alternative, Christians kommentierter Spotify-Mix, Jazz, Musik, Pop, Texte

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s