Christians kommentierter Spotify-Mix für die 43. Woche

Spät, aber da ist er, der kommentierte Mix für die letzte Woche. Ihr erfahrt warum Elefanten nicht rauchen und wessen Filme mich wunderbar einschlafen lassen. Außerdem steigen wir in die Ontologie ein und untersuchen den Unterschied zwischen einem netten und einem überflüssigen Nichts. Die Playliste zum Mitsummen/-pfeifen oder -singen gibt es hier oder wie immer ganz zum Schluß.

The Brian Jonestown Massacre „Anemone“ Mir viel zu gewollt hip, sowohl ihr unglaublich klugscheissender Bandname als auch ihr drittklassiger Psychedelic-Schmock.

Ry Cooder „Paris, Texas“ Bisher war noch jeder Wim Wenders-Film für mich ein erstklassiges Schlafmittel. In „Himmel über Berlin“ war ich sogar zwei Mal drin und bin beide Male im ersten Drittel eingenickt. Immerhin: Ich hab’s versucht! Auch zu „Paris, Texas“ als Film kann ich wenig sagen, und die Musik spricht für sich selbst. Die ist nämlich, wie alles von Ry Cooder, erstklassig. Der Mann hat eine eingebaute Qualitätsgarantie. Die könnt ihr hier nachprüfen.

Big Star „The Ballad Of El Goodo“ Big Star ist so eine Band, die kaum jemand kennt, aber fast jeder gut findet, wenn er sie hört. Der Song ist eine unpathetische Ballade über Stolz und Charakterstärke. Leadgesang von Alex Chilton, über den man nicht genug Gutes sagen kann.

Alan Price „O Lucky Man!“ Ist das aus einem Musical? Skip und weg.

Etta James „Waiting For Charlie (To Come Home)“ So sehnsüchtig-sexy möchte ich auch mal zu Hause erwartet werden.

Johnny Kidd & The Pirates „Shakin‘ All Over“ Old School Rock’n’Roll. Das gefällt mir, in der Version der Flaming Groovies sogar noch besser.

Abner Jay „I’m So Depressed“ One Man Blues Band. Angesiedelt irgendwo zwischen einem Novelty-Songs und einem echt verzweifelten Blues-Heuler. Am Anfang erzählt er einen Witz: „Why don’t elephants smoke? – They can’t get their butts in an ashtray.“ Hab schon schlechtere gehört.

Dexys Midnight Runners „There There My Dear“ Von ihrem Erstling „Searching For The Young Soul Rebels“, das von Anfang bis Ende ein tolles, modernes Northern-Soul-Album ist.

thackrayJake Thackrey „Lah-Di-Dah“ Ich finde aber auch immer Sachen in meinen Playlisten, du lieber Himmel! Und dazu soll mir nun was einfallen… Hier habe ich zuerst auf eine Chanson-Parodie getippt, aber ich glaube, der gute Jake meint das ernst. Ungewöhnlich für das Genre: Er singt englisch, wobei ich die Sprache zuerst nicht als englisch identifiziert habe, weil sein Akzent wirklich extrem eigenartig klingt. So als würde ein Belgier versuchen, Schottisch nachzuahmen. Komischer Vogel.

Hank Williams „Ramblin‘ Man“ Endlich, auf Hank in der Playliste warte ich schon lange, bekomme schließlich immerzu seine Epigonen vorgeschlagen. Auch wenn sie stilistisch noch so dicht an seinem Rockzipfel hängen: So wahrhaftig und gut wie Hank ist keiner.

Bobby Charles „Small Town Talk“ Low-Key-Funk, und passt trotzdem super direkt nach Hank Williams. Da sieht man mal wieder, wie unsinnig es ist, Menschen in Rassen und Musik in Genres einzuteilen. Das groovt aber wirklich sehr schön, meine Füße wippen immer noch.

Nina Simone „To Love Somebody“ Soul/Gospelversion des Bee Gees Klassikers. Stammt vom gleichnamigen Album, auf dem sie auch Dylan, die Byrds und Leonard Cohen covert. Sie singt die Songs schon toll, aber trotzdem habe ich den Eindruck, sie hat die Coverversionen nur widerwillig aufgenommen, als wären die Songs unter ihrem Niveau. Ich kann das nicht belegen, ist nur so ein Gefühl.

The Impressions „Fool For You“ Eine Hymne für alle, die unglücklich verliebt sind, aber weiter unbeirrt an der Liebe festhalten. Wenn in so einer Situation jemand Trost spenden kann,  dann Curtis Mayfield.

Dr. Feelgood „Roxette“ Guter, vorwärts stolzierender Rock-Track. Die sollen live eine echte Macht gewesen sein.

tony_allenTony Allen „Movin On“ Jazzy Afro-Beat. Ziemlich komplexer Rhythmus, der aber trotzdem verdammt gut groovt. Höre ich gern.

Vanilla Fudge „You Keep Me Hangin‘ On“ Kann ich nichts mit anfangen. Mit Motown natürlich schon, aber nicht in dieser Version. Der super-dramatische Deep Purple-Orgelsound nervt extrem (hier und bei Purple auch).

Bryan Ferry „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ Das muss man auch erstmal hinkriegen, einen Protestsong von Dylan so dekadent und frivol klingen zu lassen. Das ich so was klasse finde, versteht sich von selbst.

Margo Guryan „Sun“ Die hatten wir letzte Woche schon mit einem Song vom selben Album. Ich find’s immer noch charmant.

Spirit „Fresh-Garbage“ Spirit konnten von Pop über Jazz bis hin zu Klassik so ziemlich alles spielen, was sie auch gemacht haben. Leider haben sie ständig versucht, möglichst viele Stile in einem Song zu verwurschteln, was mir in Kombination mit den ständigen Rhytmuswechseln viel zu sehr nach Prog-Rock klingt. Das hier ist noch erträglich, aber echt nur gerade mal so.

The Electric Prunes „Holy Are You“ Psychedeliches für den Kirchentag. Prima Einleitung für den folgenden Künstler.

washington_phillipsWashington Phillips „Mother’s Last Word To Her Son“  Phillips war ein Wanderprediger und wird als einer der ersten Gospelmusiker beschrieben. Das könnte hinkommen, wenn man nach dem Song geht, den ich auf die 30er Jahre datieren würde. Phillips Stimme ist gospeluntypisch eher sanft, hat aber Soul. Dazu spielt er eine Zither. Das Cover trifft seinen Stil ziemlich gut. Sweet.

Gil Scott-Heron „Lady Day And John Coltrane“ Große Namen im Titel machen aus einem Song nicht automatisch große Musik. Dieser hier ist ein nett swingendes Nichts, das deutlich unter Scott-Herons üblichem Niveau bleibt. Von der Intensität einer Billie Holiday oder eines John Coltrane ist wirklich rein gar nichts zu spüren.

Three Dog Night „Mama Told Me (Not To Come)“ Nur weil ein Song aus den 60ern stammt, ist er noch lange nicht gut. Finde ich ganz, ganz furchtbar.

Cass McCombs „Morning Star“ Eine moderne Ausgabe von Cat Stevens für die sensible Indiehörerin?

Sleaford Mods „Tiswas“ Die beiden Mods sehen aus wie Statisten aus einem Guy Ritchie Film und spielen trockenen, weißen Funk mit Punkattitude. Dem angespannten und nervenden Gesang nach haben sie eine Message.

The Clean „Anything Could Happen“ Klassische Post-Punk-Indieband aus Neuseeland. Nicht schlecht, aber auch nichts, was man mit vor Aufregung zitternden Fingern aus dem Cellophan pult.

John Maus „Hey Moon“ Das nicht ein Drittel der legendären Walker Brothers, sondern der Keyboarder von Animal Collective. Frage mich beim Hören seines überflüssigen Nichts namens „Hey Moon“, wieso so viele Indiemusiker die gleichen 80er Presets an ihren Keyboards nutzen, anstatt an individuellen Sounds zu basteln. Die Möglichkeiten dazu gibt es doch heute im Überfluss. Fauler Langweiler.

NEU! „ISI“ Kaum sag ich’s, kommt eine Band, die zeigt wie man es auch machen kann/konnte. Die Band gibt es seit 40 Jahren nicht mehr, trotzdem klingt sie moderner und aufregender John Maus und Co.

Minnie Ripperton „Les Fleurs“ Eine atemberaubende Mischung aus Soul, luxuriösem Pop, Psychedelica und lasziver Erotik.

The Pretty Things „S.F. Sorrow Is Born“ Die haben auch von Herrn Hofmanns Wundertropfen genascht, und zwar nicht zu knapp. Lange keinen Song mehr mit einem Mellotron gehört. Sollte man dem Brian Jonestown Massacre auf Dauerschleife legen, damit sie lernen, wie man’s richtig macht.

Bin immer wieder überrascht, wieviel gute Musik es gibt, die ich noch nicht kenne. Davon darf es beim nächsten Mal gerne etwas mehr sein. Ob das so ist, erfahrt noch diese Woche. Stay tuned!

 

 

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Eingeordnet unter Alternative, Christians kommentierter Spotify-Mix, Jazz, Musik, Pop, Texte

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