Christians kommentierter Spotify-Mix für die 42. Woche

Interessanter Mix diese Woche. Mit dabei u.a. knarzende Americana-Kauizigkeiten, Funk, afrikanische Musik und Retro-Jazz. Die Playliste gibt es hier oder wie immer ganz zum Schluß.

Lead Belly „Where Did You Sleep Last Night“ Wenn man seiner Freundin so eine Frage stellen muss, wird es Zeit an der Beziehung zu arbeiten. Man kann aber auch gute Blues-Songs wie diesen darüber schreiben, was mir eindeutig besser gefällt.

Giant Sand „Stranded Pearl“ Giant Sand-Mastermind Howe Gelb ist ein gutes Beispiel dafür, wie man seit Jahrzehnten im Musikgeschäft überleben kann, ohne auch nur den Hauch eines Gedankes an den Mainstream zu verschwenden. Seine knarzigen Americana-Kauzigkeiten sind so einzigartig wie die Maserung eines Holzstammes und genau so authentisch. Ich habe längst nicht alle seine Platten, aber ich finde es schön, dass es so viele davon gibt. Herzwärmend.

Faces „Debris“ Rock-Ballade der guten Sorte, weil sie nicht mit billigen Emotionen überfrachtet ist. Toll arangiert und gespielt, besonders Bass und E-Piano.

Roy Harper „Goldfish“ Akustischer Brit-Folk, späte 60er würde ich schätzen. Gar nicht mal schlecht, werde ich aber nicht wieder auflegen.

The Kinks „Shangri-La“ Ironischer Blick auf die  englische Arbeiterklassee und deren Vorstellung vom Paradies als Ort, an dem man genug Geld verdient, um „sich mal was leisten zu können“ (siehe auch Rentons Anfangsmonolog aus „Train Spotting“). Die Musik passt zum Text, gefällt mir trotzdem nicht besonders.

Buffalo Springfield „Mr. Soul“ Eines der härteren Stücke von Buffalo Springfield. Sogar in Neil Youngs Gesang vermeine ich so was wie Power herauszuhören. Mag ich. Von The Dream Syndicate gibt es eine gute Live-Version.

Richard And Linda Thompson „I Want To See The Bright Lights Tonight“ Solider Mid-Tempo-Rocker über die Frage, die den arbeitenden Teil der Bevölkerung spätestens am Freitag umtreibt: Was machen wir am Wochenende? Linda Thompson singt und das macht sie sehr gut.

The Delines „Calling In“ Langsamer, sehr atmosphärischer Neo-Country. Die Delines klingen nicht wie noch nie gehört, aber trotzdem eigenständig und gut. Die Sängerin hat eine warme, kräftige Stimme, die das sehr ätherische Arrangement schön erdet.

Dillard & Clarke „Don’t Let Me Down“ Ihre Art von Country mag ich eigentlich, aber diese Version des Beatles-Klassikers hätten sie sich sparen können. Lennons verzweifeltes Liebesflehen wird hier zur zahnlosen Bitte eines zugekifften Waschlappens.

electrelaneElectrelane „The Valleys“ Ein reduzierter, verhaltener Groove, dazu Hammond-Orgel und Gitarre – das klingt nicht modern, ist aber von einer Band aus der Jetzt-Zeit. Dann setzt der Gesang ein und der Song beginnt zu leben. Sakral anmutende Polyphonie auf engstem Raum, das hätte ich nun wirklich erwartet. Ganz, ganz toll, wie die Jungs und Mädels singen und die Stimmen einsetzen. Leider eine Ausnahme auf dem dazugehörigen, ziemlich konventionellen Indie-Album.

Stereolab „French Disko“ Sehr straight und treibend, tolle Melodie. Würde ich zu tanzen. Ich kenne ein männliches Groupie, das mal was mit der verstorbenen Keyboarderin Mary Hansen hatte.

Odetta „Baby, I’m In The Mood For You“ Aus dem Album „Odetta sings Dylan“. Das swingt sehr schön ist zudem toll gesungen. Hat was von der Ungezwungenheit eines Songs aus der Muppet-Show (siehe auch Beach Boys „Party“-Album sowie fast alles von Jonathan Richman).

Nolan Porter „Keep On Keeping On“ Funk aus den frühen 70ern und richtig guter dazu. Viel veröffentlicht hat Nolan nicht, ist aber nicht so schlimm, denn „Keep On Keeping On“ scheint sein mit Abstand bester Song zu sein. Ein Mann für Northern Soul-Sampler.

Graham Nash „Military Madness“ Ein Song mit einer ernsten Aussage, dafür erstaunlich fröhlich. Gut gesungen.

Lowell George „“What Do You Want The Girl To Do“ Schöne, aufwändig produzierte R’n’B-Nummer. Leider hat Lowell seine Slide-Gitarre im Schrank gelassen und sich auf den Gesang beschränkt. Das macht er aber gut.

Terry Reid „Dean“ Klingt mehr nach Little Feat als Lowell George. „Dean“ ist ein guter, sehr funkiger Rocksong. Stammt mit Sicherheit aus den 70ern. Könnte ich öfter hören. Kommt auf meine Liste der Guten.

Jim White „Static On The Radio“ Sanfter, ätherischer Pop mit Country- und Americana-Roots. Gut gesungen, auch von Jims Duett-Partnerin. Mit sechs Minuten aber deutlich zu lang, um die Spannung zu halten.

The Relatives „It’s Coming Up Again“ Alte Herren, die es noch mal wissen wollen. Der Song stammt von ihrem 2013er Comeback-Album und klingt dermassen nach James Brown, dass der mindesten als Co-Autor angegeben sein müsste. Von daher natürlich nicht schlecht, ich greife aber lieber zum Original.

Lonnie Mack „The Man In Me“ Noch ein Dylan-Cover und ein weiterer Song aus „The Big Lebowski“ (siehe die Playlist aus der 37. Woche). Lonnie konnte mit dem Song offenbar nicht viel anfangen und hat ihn unnötigerweise auf auf pompös gepimpt. Das Original finde ich viel geschmeidiger.

Julee Cruise „Floating“ Geschrieben von Angela Badalamenti und David Lynch. Hübsch, aber ohne die Filmbilder nur die Hälfte wert.

Joan As Police Woman „Real Life“ Singen kann sie und sie gibt sich auch viel Mühe dabei alle Nuancen des Textes stimmlich nachzuzeichnen, ich find’s aber trotzdem langweilig. Zweitblödester Bühnen/Bandname nach Portugal The Man.

de_biasioMelanie De Biasio „“I’m Gonna Leave You“ Das gefällt mir viel besser. Cooler Retro-Jazz, sehr schön groovend und wunderbar schnörkellos gesungen. Berührt mich 1000 Mal mehr als Joan. Gilles Peterson ist ein großer Fan.

Francis Bebey „The Coffee Cola Song“ African Electronic Music steht auf dem Cover und das ist es auch. Gesungen wird auch, aber eher traditionell. Das ganze hat wie alte Reggae-Produktionen den Charme des Unperfekten, aber das ständig wiederholte, hüpfende Synthie/Panflötenmotiv treibt mich in den Wahnsinn. Muss ich jetzt mal ausmachen.

Lee Dorsey „Get Out Of My Life Woman“ Hat viel mit Allen Toussaint und den Meters zusammen gearbeitet, entsprechend gut sind seine Songs. „Get  Out Of My Life Woman“ hat eine starke Melodie, ein auf das Wesentliche konzentriertes Arrangement, ist perfekt gespielt und gesungen und groovt. So muss das.

Toumani & Sidiki Diabaté „Rachid Ouguini“ Die beiden stammen aus Mali und spielen die Kora, eine afrikanische Art der Harfe. Das klingt sowohl traditionell als auch stellenweise sehr jazzy. Würde mir noch besser gefallen, wenn mir der Sound der Kora nicht nach drei Minuten auf die Nerven gehen würde.

The Congos „Fisherman“ So weit ich weiß, ist das eine Lee ‚Scratch‘ Perry-Produktion aus den 70ern. Aber auch wenn nicht: Das ist klasse. Hat alles, was einen guten Reggae-Song ausmacht.

Terry Callier „900 Miles“ Ein Mann mit einer einzigartig intensiven Stimme. Klugerweise lassen die Arrangements fast all seiner Songs ihr genügend Raum zur Entfaltung, Ich mag ihn wirklich, aber manchmal ist mir die fordernde, unnachgiebige Aufrichtigkeit in seinem Timbre zu viel.

Margo Guryan „Sunday Morning“ Das müsste aus den 60ern sein. Sanft groovender Rock von einer Sängerin mit einem eher dünnen Stimmchen. Dafür steckt das Arrangement voller hübscher Ideen. Schon charmant, irgendwie.

It’s A Beautiful Day „White Bird“ Hippie-Kitsch. Aber so was von.

Tony Joe White „Rainy Night In Georgia“ Einer der besten Sänger und Songschreiber, der je aus den Sümpfen Louisianas die Rockwelt erobert hat. „Willie And Laura Mae Jones“, Whites Blick auf die herzzerreissenden Folgen des alltäglichen Rassismus, ist eines meiner absoluten Lieblingslieder (am bekanntesten ist wahrscheinlich Dusty Springfields Version. Sie hat den Song auf „Dusty In Memphis“ gecovert, dabei aber alle als kontrovers interpretierbaren Textzeilen weggelassen). „Rainy Night In Georgia“ ist ein amerikanischer Klassiker und von Tony Joe fantastisch interpretiert. Der Mann kann das eben.

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