Christians kommentierter Spotify-Mix für die 39. KW

Wenig Zeit gehabt letzte  Woche, deshalb etwas verspätet und nur Kommentare zu den Songs, die mir gefallen. Die komplette Playlist gibt es hier oder am Ende. Enjoy!

Fairport Convention „Who Knows Where The Time Goes?“ Ich habe eine Schwäche für englischen Folk, der sich Ende der 60er Jahre neben der psychedelischen Musik und dem Blues aus dem Untergrund heraus geschält hat. Das hier ist so wunderschön gespielt und gesungen, dass es mir Tränen der Rührung in die Augen treibt.

Talking Heads „(Nothing But) Flowers)“ „Fear Of Music“ ist immer noch eins meiner Lieblingsalben, danach fing meine Beziehung zu den Heads jedoch an zu bröckeln. Der Flirt mit dem Mainstream ist der Band nicht gut bekommen, auch wenn auf den späteren Alben noch gute Songs zu finden sind. Der hier ist von „Naked“, eine schöne Uptempo-Latin-Nummer, die David Byrnes damals erwachendendes Interesse an brasilianischer Musik dokumentiert.

Dr. John „I Walk On Guilded Splinters“ Nach diesem Song habe ich in den 80er Jahren ziemlich lange gesucht. Das Original-Album von 68 war nirgends zu bekommen und eine Nachpressung gab es (noch) nicht. Groartiger Song, der das dunkle, voodoogetränkte New Orleans  genauso atmosphärisch dicht einfängt wie „Angel Heart“.

Bert Jansch „Angie“ Solo Gitarreninstrumental des Pentangle-Gitarristen. Gefällt mir, wenn auch nicht ganz so gut wie seine Songs mit Band. Pentangle sind großartig. Wurden mir von Michael Ruff empfohlen. Guter Mann. Grumpy, aber gut.

byrds_notoriusThe Byrds „Wasn’t Born To Follow“ Von „The Notorius Byrd Brothers“, ihrem besten Album. Psychedelischer Country, gespielt von einer Band in absoluter Höchstform, dazu ausnahmslos erstklassiges Songmaterial. Definitiv eine Platte für die einsame Insel. Das Pferd auf dem Cover soll angeblich David Crosby darstellen, der während der Aufnahmen aus der Band geschmissen wurde.

Prefab Sprout „Bonnie“ Von „Steve McQueen“, noch einer Platte für die Insel. Für mich hat Paddy McAloon“ auf diesem Album die perfekte Balance zwischen Anspruch und Melodie gefunden. Perfekt ist auch die wunderbare Produktion von Thomas Dolby. Kann ich wie Steely Dan immer wieder hören. Weltklasse.

Johnny Cash „The Mercy Seat“ Auch wenn Cashs Knacki-Outlaw-Pose zu weiten Teilen das bewußte Besetzen eines gut verwertbaren Images war, gibt es kaum einen Sänger, der sie so überzeugend ausgefüllt hat. Auch in der Kunst, fremde Songs so zu interpretieren, als hätte er sie selbst geschrieben, war Cash einzigartig. Nick Caves eigene Version von „The Mercy Seat“ ist schon klasse, trotzdem klingt die von Cash noch glaubwürdiger. Dafür gefällt mir Caves wilde, gehetzte Version von „Wanted Man“ besser als Cashs Original.

Alexander ‚Skip‘ Spence „Little Hands“ Schöner psychedelisch angehauchter Folkrock vom Jefferson Airplane-Drummer.

Pink Floyd „Grantchester Meadows“ Bin kein Fan von Pink Floyd, diesem fleischgwordenem Auswuchs an Megalomanie. Das hier ist aber tatsächlich sehr hübsch, akustischer Folk mit Naturgeräuschen im Hintergrund und Syd-Barrett-artigem Gesang schön weit vorne im Mix. Klingt wie die Vorlage zu „I Know Where Syd Barrett Lives“ von den TV Personalities.

John Cooper Clarke „Beasly Street“ Der erste, der Spoken-Words-Poetry mit dem Geist des Punk vermischt hat.

Jonathan Richman „I’m So Confused“ Es gibt keinen anderen Songwriter, der so persönliche Songs schreibt. Egal, ob er Kaugummipapier bestaunt, seine Erlebnisse in einer Lesbenbar  oder seine Liebe zu Paris besingt – Jonathan ist immer ganz bei sich selbst. Und weil er eine Vorliebe für die Musik der 60er Jahre (speziell für die Velvets) hat, liebe ich seine Songs und werde sie immer lieben. „Personality goes a long way.“ – Jules in „Pulp Fiction“

Reverend Gary Davies „Death Don’t Have No Mercy“ Ich habe geschrieben, dass ich Solo-Akustik-Folk nicht besonders mag. Anders verhält sich das mit Blues und Country. Ich liebe Robert Johnson, Son House, Doc Watson und auch den Reverend. Hat was mit Intensität und Seele zu tun.

Judee Sill „The Kiss“ Ein Song wie ein Wachtraum. Schön.

Connie Converse „Talkin‘ Like You (Two Tall Mountains)“ Zarter, sehr eigenständiger Folk. Wie Jim Sullivan aus der Playliste der Vorwoche ist Connie Converse (Super-Name, übrigens) Mitte der 70er spurlos verschwunden. Gibt mir zu denken, dass die vom Leben überforderten alle in meinen Playlisten landen.

The Shangri-Las „(Remember) Walkin‘ In The Sand“ Teenage-Drama-Queens at their best.

Vashti Bunyan „Train Song“ Ätherischer Folk, schön gesungen. Thematisch an Boxtops „The Letter“ angelehnt.

David Bowie „Sound & Vision“ Ich weiß noch, wie baff ich war, als ich den Song das erste Mal im Radio gehört habe. Zwar hat Bowie „Sound & Vision“ in das radiotaugliche 3-Minuten-Format gepresst, ansonsten folgt aber nichts dem klassischen Muster, nach dem Hits gemeinhin aufgebaut sind. Die Einleitung mit dem prägnanten Gitarrenriff  dauert ewig, der Gesang (Text) setzt erst ein als der Song zur Hälfte vorbei ist. Und in dem Moment, wo man glaubt, jetzt beginnt der Song erst richtig, wird schon wieder ausgeblendet. Ein Geniestreich, der in Bowies Werk nur noch von „Heroes“ übertroffen“ wird.

Joni Mitchell „Coyote“ Folk und Jazz sind eine fantastische Kombination, jedenfalls dann, wenn eine so herausragende Songwriterin wie Joni Mitchell dahinter steckt. Ihre Songs eröffnen wunderbar weite Hörräume, die das Kunststück fertigbringen, gleichzeitig leicht und geerdet zu klingen.

Richard And Linda Thompson „Shoot Out The Lights“ Vom gleichnamigen Album, auf dem die beiden tiefe Einblicke in ihre auseinanderbrechende Beziehung gewährten. Solide und straighte Rocknummer.

Crazy Horse „I Don’t Want To Talk About It“ Von Rod Stewart zum Hit gemacht, zu Recht, wie ich finde. Ein toller Song, Hier gesungen von Danny Whitten, der ihn auch geschrieben hat. Schönes Bottleneck-Solo in der Mitte.

The Burning Hell „Amateur Rappers“ Treibende Rock/Punk-Nummer mit vielen guten Ideen. Der Gesang erinnert mich an den Sänger von Cake. Gefällt mir.

Schön, aber zuviel Folk. Hier interpretiert der Algoritmus das Abhören der von ihm vorgeschlagegenen Künstlern als meine vermeintliche Vorliebe und schlägt mir in der nächsten Liste noch mehr davon vor. So viel zur künstlichen Intelligenz.

Stay tuned, die Kommentare für die Playliste der 40. Woche sind schon in Arbeit.

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Eingeordnet unter Alternative, Christians kommentierter Spotify-Mix, Jazz, Musik, Pop, Texte

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