Christians kommentierter Spotify-Mix für die 37. Woche

Gute Musik in dieser Woche, aber – einen Grund zum Nörgeln findet man ja immer – zu wenige Überraschungen und zu viele Singer/Songwriter. Zum Mithören hier entlang oder zum Ende scrollen. Enjoy!

Pixies „Gigantic“ Black Francis Gesang und sein kontrolliert-lärmiges Gitarrenspiel gefallen mir bei den Pixies am besten.  Hier singt Bassistin Kim Deal, finde ich aber auch gut.

The Jesus & Mary Chain „Just Like Honey“ Von dem Gitarrenlärm-Teppich mal abgesehen, sind The Jesus & Mary Chain eine lupenreine Popband. Ich mag das, sowohl die Komponenten separat (Lärm, Melodie) als auch die Kombination von beiden.

Jackie Leven „The Sexual Loneliness Of Jesus Christ“ Ein Song über Begehren und Spiritualität. Und ein sehr schöner dazu.

Tuxedomoon „In A Manner Of Speaking“ Tuxedomoon habe ich nach dem zweiten Album nicht mehr wirklich weiter verfolgt. Das hier klingt mit etwas zu sehr nach Kleinkunst-Bühne.

Steve Earle „Feel Alright“ Den würde ich auch gut finden, wenn seine Songs schlechter wären. Ein Country-Sänger, der auch Redneck-Honkytonks bespielt und offen gegen die Todesstrafe kämpft, linke Ansichten vertritt, gläubig ist und tatsächlich im Knast war (nicht wie Cash nur zu Besuch) So jemanden muss man mögen. Der Song ist toll, ein erdiger Rocker, der genau diese Widersprüche thematisiert.

The Paragons / John Holt „The Tide Is High“ Das Geschepper alter Rocksteady-Aufnahmen kriegt mich immer wieder, aber mir gefällt die Blondie-Version besser, weil ich Fan von Debbie Harrys Stimme bin.

Jorma Kaukonen „Genesis“ Hat eine ähnliche Atmosphäre wie „Third Week in The Chelsea“. Guter Song, mag ich.

John Cale „Dying On The Vine“ John Cale ist einer meiner ewigen Helden. Ich habe Konzerte von ihm gesehen, die so intensiv waren wie ein Date mit Charles Manson, und das, obwohl der Mann sich solo am Klavier begleitet hat. Cale ist ein begnadeter Songwriter (in Hochform wie auf „Paris 1919 und „Music For A New Society“ gehört er zu den Besten), hat aber so viele stilistische Wechsel hingelegt (Klassik, Avantgarde, Rock, Pop, Filmmusik), dass es schwer ist, ihn zu packen. Das melancholische“Dying On The Vine“ gehört immer noch zu seinem Live-Repertoire, was für seine Qualität als Song spricht, die Version von „Artificial Intelligence“ gefällt mir aber wegen der billigen Synthiesounds überhaupt nicht (nichts gegen billige Synthiesounds, aber hier passen sie einfach nicht).

The Who „A Quick One While He’s Away“ Von „Live At Leeds“. Solange sie keine Rockopern spielen, mag ich die Band. Dieser Track hat Anwandlungen davon, weshalb er nicht zu meinen Who-Favoriten zählt.

The Pop Group „She’s Beyond Good And Evil“ Wie Throbing Gristle eine Band, die mein Verständnis von den Möglichkeiten musikalischer Ausdrucksformen grundlegend beeinflusst hat. The Pop Group machen Musik für freie Menschen, Von wie vielen Musikern kann man das schon sagen?

This Mortal Coil „You And Your Sister“ Im Original von Big Star. Schöne, musikalisch auf das nötigste beschränkte Version.

Spiritualized „Anyway You Want Me“ So stelle ich mir das musikalische Äquivalent zu einem Heroin-Rausch vor:  Exstatische Langsamkeit, die in warmen Wellen über einen hereinbricht und umschließt wie ein Ozean aus flüssigem Honig.

Moby Grape „8:05“ Fällt mir nichts zu ein, außer dass jeder Deadhead, den ich kenne auch Moby Grape gut findet.

Mink DeVille „Cadillac Walk“ Cooler Song, riecht nach Sex, Schweiß und Südstaaten.

Bill Wyman „(Si Si) Je Suis Un Rock Star“ Langt jetzt mit den Stones-Solosachen, zumal ich nicht mal die Stones sonderlich gut finde. Das hier wäre aber auch von jedem anderen ein echter Sch***-Song.

Stephen Stills „Song Of Love“ Vom ersten, sehr guten Manassas-Album. Das groovt.

John Prine „Illegal Smile“ Singer/Singwriter mit Country-Einflüssen und einer Stimme, die ich nicht mag.

The Wedding Present „Everyone Thinks He Looks Daft“ Mit der Band konnte ich noch nie was anfangen. Tja.

Rodriguez „Crucify Your Mind“ Das ist schon besser. Viel besser, um es genau zu sagen. Kannte ich bisher nicht. Hat ein bißchen was von Lee Hazlewood. Werde ich mal tiefer graben müssen.

The Mekons „Where Were You“ Tolle Bnad, toller Song.

Brian Wilson „Love And Mercy“ Aus Brians Comeback-Album von 1988, nach Jahren des drogeninfizierten Wahnsinns. Co-Produzent war der Psychiater oder, aus Sicht von Mike Love, teuflische Manipulator Eugene Landy. der Brian immerhin soweit gebracht hatte, wieder zu arbeiten und Songs zu schreiben (zur Vertiefung des Themas empfehle ich Brian Wilson „Mein kalifornischer Alptraum“). Das Album ist durchwachsen, um es nett zu sagen, „Love And Mercy“ gehört noch zu den guten Stücken.

Sly & The Family Stone „Family Affair“ Noch so ein kaputtes Genie. Den Song kennt jeder und sollte auch jeder kennen.

Bob Dylan „Duquesne Whistle“ An Dylan bewundere ich heute vor allem, dass er stoisch Jahr für Jahr ein Blues-Album rausbringt und auf Tour geht. Ein Arbeitsethos wie Woody Allen!

Sonic Youth „Tunic (Song For Karen)“ Herzzereissender Text über Karen Carpenter, die mit ihrem Erfolg nicht zurecht kam und an den Folgen ihrer Magersucht starb. Musik ist typisch Sonic Youth, und deshalb gut.

Galaxie 500 „Blue Thunder“ Eine der am offensichtlichsten von Velvet Underground beeinflussten Bands. Das geht in Ornung mit mir, der Song auch.

Steve Forbert „Cellophane City“ Schönes, sanft groovendes Stück über die scheinbare Anonymität in der Großstadt.

Small Faces „All Or Nothing“ Das furchtbare „Lazy Sunday“ hat mich bisher erfolgreich von dieser Band abgeschreckt. Der Song ist aber gar nicht mal schlecht. Mod Music.

Rodney Crowell „I Wish It Would Rain“ What this Playlist needs now is another folksinger like I need a hole my head (frei nach Cracker). Schon schön, bin’s aber gerade ein bißchen leid.

Jason Isbell „Relativly Easy“ Noch einer, diesmal aus der Country-Ecke.

Mickey Newbury „Just Dropped In“ Und noch einer. Der hier covert Kenny Rogers & The First Edition (genau, der Song aus „The Big Lewbowski“), aber so, dass mir das gefällt. Hat den Charakter des Songs völlig verändert, klingt durch das Cello-Arrangement viel melancholischer.

Zum Schluß wurd’s hart. Hoffe mal, dass die nächste Woche mehr Abwechslung bringt. Und was ist eigentlich mit Klassik? Höre ich gerne und viel. Wird das vom Algoritmus nicht berücksichtigt? Mal schauen. Stay tuned.

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Eingeordnet unter Alternative, Christians kommentierter Spotify-Mix, Jazz, Pop, Texte

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