Richard Wagner – eine schnelle postume Hinrichtung

2013 wird Richard Wagners 200. Geburtstag gefeiert werden, und zwar in einem Ausmaß, dass ich jetzt schon in’s Feuilleton brechen möchte. Wagners Musik besitzt keine Menschlichkeit, keinen Anstand und keine Wärme und versucht diese Mängel durch pompösen, von nordischen Esoterik-Müll durchsetzten Schwulst zu übertünchen. Übrig bleibt musikalischer und ideologischer Größenwahn – „Bühnenweihfestspiele“, bei den Nazis hieß das dann Ting-Theater. Denn natürlich war der antisemitische Gnom Hitlers Lieblingskomponist und Onkel Adolf in Bayreuth ein gern gesehener Gast. In Woody Allens Worten:  „Noch fünf Minuten länger Wagner und ich wäre in Polen einmarschiert.“ Statt diesen Rotz auch noch abzufeiern, wäre es an der Zeit, das verdammte Festspielhaus endlich abzufackeln. Benzin und Feuerzeug hätte ich da.

(Nachtrag: Eine etwas erweiterte und präziser formulierte Versionen dieses Artikels habe ich auf amusio.com veröffentlicht.)

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Klassik, Texte

6 Antworten zu “Richard Wagner – eine schnelle postume Hinrichtung

  1. ...

    Daumen hoch!
    Das ist doch mal ein klares Statement.

  2. Philip Goeth

    Intetessant – hier bin ich ganz anderer Meinung. Ich interessiere mich wie du nicht für die Festspiele, und – zugegeben – die Opern sind überwiegend ein Schmarrn (wie man in Wien sagt). Allerdings kann ich persönlich Wagners Musik gar nicht hoch genug bewerten. Wagners Tristan Vorspiel ist, aus dem Blickwinkel des Dehnens der funktionalen Harmonik (Chromatik als Instrument zum Vermeiden des Entstehens permanenter tonaler Zentren), ein geniales Werk, ohne das Mahler, Skriabin, Alban Berg’s op. 1, Schönberg’s op 4, etc etc gar nicht möglich gewesen wären. Wagner war daher viel mehr als ein Schöpfer reichlich schwülstiger Kostümopern, er war Wegbereiter der musikalischen Moderne. Bei aller Abneigung – schau dir das Vorspiel von Tristan einmal genauer an, und dann höre die Klaviersonate op 1 von Alban Berg. Wäre interessant wie du das siehst. LG Philip

    • Mir ging es alleine darum, dass Wagners überkandidelter Kunstbegriff als Endpunkt der Romantik (hier verweise ich auf Rüdiger Safranskis großartiges Buch zum Thema) in der Ästhetisierung der Politik im Faschismus seine Anwendung in der Realität findet. Dass Wagner dazu noch ein Hardcore-Antisemit war, ist das Tüpfelchen auf dem i. Meine Kritik ist also moralischer Natur. Viele auch von mir sehr geschätzte Musiker sehen Wagners musikalische Leistungen so wie du, Philip, aber aus den o.g. Gründen nehme ich mir die Freiheit, das zu ignorieren. Mahler und Schönberg kann ich trotzdem geniessen 🙂

      • Philip

        Verstehe – wollte deine Aussagen auch nicht kritisieren – sehe das halt einfach anders. Meines Erachtens kann man Werk und Mensch voneinander abstrahieren, und ich finde dass Wagner’s Werk – unabhängig von seinen Ansichten – zum Teil sehr große Wärme und Menschlichkeit ausstrahlt. Aber klar, „Das Judenthum in der Musik“ ist eine recht abscheuliche Schundschrift. Über Politik hätte ich mit Wagner wahrscheinlich nicht diskutieren wollen, wenngleich die Zeiten damals andere waren, und ich nicht sicher bin ob RW die Barbarei der Nationalsozialisten bis zur letzten (grauenhaften) Konsequenz unterstützt hätte. Aber wer weiß das schon. Interessant: Carl Orff war ein offizieller Unterstützer des Nazi-Regimes (als Wagner schon längst begraben war), und seine Musik wird in Israel ohne Proteste aufgeführt. Wagner’s Werk ist halt stärker symbolisch, wenngleich es Ansätze von Adorno und anderen gibt, die meinen dass der Ring sich nicht primär auf verbrämte Germanenideologie bezieht, sondern eine Kritik des kapitalistischen Models darstellt. Das zeigt mE: Die Sache ist sicher vielschichtig 🙂

  3. Philip

    Interessant: http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/anti-semitism/Wagner.html – man sieht, auch in Israel gibt es beide Standpunkte.

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