Warum ich Ben Vaughn Fan bin

Ben Vaughn ist ein Singer, Songwriter und Produzent aus New Jersey. Mittlerweile lebt er in Kalifornien, verbringt aber auch viel Zeit in Memphis. Seine Solo-Alben sind durch die Bank gut (nur „Interiors in Music“ mit seinen Lounge-Instrumentals fällt etwas aus dem Rahmen), ebenso das Album, dass er zusammen mit Alex Chilton und Alan Vega aufgenommen hat. Auch seine Produktionen verheißen Qualität: Charlie Feathers, Arthur Alexander und Ween hat er betreut, zuletzt arbeitete er mit Aaron Freeman von Ween an dessen Soloalbum. Das nächste Ben Vaughn-Album entsteht zur Zeit in Zusammenarbeit mit Augie Meyers, dem Organisten des Sir Douglas Quintets. Ben Vaughn ist einer meiner Helden. Warum, lest ihr hier…

1. Ben Vaughn ist ein Rock’n’Roll-Original. Seine Handschrift ist in jedem seiner Songs sofort erkennbar. Wie Jonathan Richman oder Alex Chilton (ich fasse es immer noch nicht, dass er tot ist) schreibt er Songs, mit einer sehr persönlichen, aber dennoch universellen Sichtweise (wer glaubt das sei leicht, viel Spaß beim probieren!). Während Jonathan Richman immer einen sehr kindlichen Blick auf die Welt wirft (er erinnert mich immer an Steven Spielberg zur Zeit von ET), klingt Ben Vaughn etwas reifer, fast schon erwachsen: High School ist vorbei, aber die Probleme sind grundsätzlich noch die gleichen.

Ben Vaughn – Dressed in Black

2. Ben Vaughn ist ein demokratischer Traditionalist. Er glaubt (genau wie ich, übrigens) dass Rock’n’Roll ein elementares Grundrecht des Erwachsenwerdens ist. Das gilt für das Hören und das Machen von Musik. Rock’n’Roll bedeutet Songs zu spielen, die jeder, der fähig ist eine Gitarre richtig rum zuhalten, nachspielen kann.

3. Ben Vaughn ist intelligent, wobei  die Höhe des IQs im Rock’n’Roll keine Rolle spielt. Hierbei gleicht Musik dem Fußball: Selbst Jungs die „nicht mal eine Banane öffnen können“ (Olli Schulz), können großartige Fußballer sein. Intelligenz im Rock’n’Roll darf man allerdings nicht mit „anspruchsvoll“ gleichsetzen, will man sich nicht auf das Niveau von pompösen Langweilern wie Yes und Konsorten herablassen. Nein, es geht um etwas anderes: Ben Vaughns Songs sind witzig und pointiert und stecken voller Überraschungen und liebevoller Details. Das ist Rock’n’Roll-Intelligenz.

Rock’n’Roll bedarf in seinem ursprünglichen Wesen überhaupt keiner Rechtfertigung. Ein Beispiel: Bob Dylan (nix gegen Dylan, ich mag den sehr, aber wird gerne argumentativ missbraucht) hat angeblich  mit „Like A Rolling Stone“ dem Rock’n‘ Roll etwas gegeben, was er vorher nicht hatte: Bedeutung, Anspruch, Inhalt. Das ist so was von falsch, falsch, falsch, wie nur irgend denkbar. Rock’n’Roll ist einfach, er setzt sich selbst (jetzt betreten wir kurz Schelling’sche und Fichte’sche Gefilde) und er hat seine ganz eigenen Gesetze. Eine wie auch immer geartete Aufwertung hat er nicht nötig und jeder der das versucht, verlässt automatisch das Gebiet des Rock’n’Roll.

Als die Cramps „Surfin‘ Bird“ gecovert haben, hat Lux Interior (dich vermisse ich auch) es gewagt, den Originaltext zu verändern, indem er  die Wörter „Tweet, tweet!“ hinzugefügt hat. Das war für den Rock’n‘ Roll von weitaus größerer Bedeutung als“Like A Rolling Stone“, da kann Greil Marcus noch so viele Bücher schreiben (es gibt von Dylan natürlich auch tolle Rock’n’Roll-Momente: Auf seiner legendären ersten Tour mit elektrisch verstärkter Band ruft ihm eine der Folk-Schnarchnasen aus dem Publikum ein „Judas!“ zu, worauf Dylan nach kurzer Schockstarre antwortet „I don’t believe you. You’re a LIAR!“ um dann der Band, die sich grade auf  „Like A Rolling Stone “ einstimmt, zu zuranzen: „Play fuckin‘ loud!“ Tapferer Bob! Genauso! Und! Nicht! Anders! Das ist Rock’n’Roll!)

Rock’n’Roll ist die Volksmusik der Jugend des späten 20 Jahrhunderts, er ist albern, pathetisch, krank, aggressiv, picklig, dämlich, drogeninfiziert, kriminell, pubertär, fiebrig, trashig, zersetzend, sinnlos, laut und geisteskrank und was es sonst noch an Adjektiven gibt, die in der Welt der Erwachsenen negativ konnotiert sind. Ben Vaughn weiß das und innerhalb dieser Koordinaten bewegt er sich mit traumwandlerischer Sicherheit.

4. Ben Vaughn ist unglaublich sympathisch. Ehrlich, ich bin mir sicher, dass dieser Mann kein Arschloch ist.

5. Ben Vaughn hat ein Album komplett in seinem Auto aufgenommen, einem Rambler  65. Auf so eine Idee würde der bescheuerte Bono bestimmt nicht kommen (ich weiß schon, dass ich jetzt etwas kindisch klinge, aber ich hasse U2, seit sie Anfang der 80er in HH als Vorgruppe der Psychedelic Furs auftreten sollten und den Soundcheck für ihr pathetisches Geschrammel so dermaßen in die Länge gezogen hatten, dass die Furs keinen mehr machen konnten und ihren Auftritt absagen mußten). Von den „Rambler 65“-Songs gefallen mir am besten das psychedelische „Levitation“ und das Sir-Douglas-mässige „Boomerang“. Es gibt sogar ein Video von den Aufnahme-…äh.. „Sessions“.

6. Ben Vaughn hat einen Song interpretiert (nicht geschrieben, klingt aber wie von ihm) in dem er das Thema Bartwuchs problematisiert und als eine vom Mann betriebene Aktivität beschreibt, die vollste Konzentration verlangt und andere Tätigkeiten ausdrücklich ausschließt (Bono rettet derweil die Welt und singt Bedeutsames). Der Song heißt „Growing a Beard“ und diese 2 Minuten sind mehr wert als das Gesamtwerk von Coldplay. Hört selbst:

Ben Vaughn – Growing A Beard

7. Ben Vaughn ist geistreich. Das geht in Richtung Punkt 3., aber zum einen kann man das nicht oft genug sagen und zum anderen möchte ich den Eindruck vermeiden, Ben Vaughn schreibe Novelty-Songs. Das tut er nicht, auch wenn er den Song „“I Found Her Telephone Number Written on the Boy’s Bathroom Wall“ für eine vom MAD-Magazin inspirierte Complation eingespielt hat.

Ben Vaughn – Rhythm Guitar

8. Ben Vaughn war für die Musikauswahl der TV-Serie „That 70s Show“ (Die wilden 70er) verantwortlich. Die Titelmusik ist das von dem grandiosen, aber notorisch unterschätzten Alex Chilton geschriebene Stück „In The Street“. Ben Vaughn hat den Song durchgesetzt, um seinen Freund finanziell zu unterstützen. Hat geklappt.

9. Ben Vaughn hat eine eigene Radiosendung auf WEVL 89.9 mit dem Titel „The Many Moods Of Ben Vaughn“.

10. Ben Vaughn hat „El Camino“ von Ween gecovert. Wie, das könnt ihr hier sehen und hören:

Ben Vaughn – El Camino (live)

Als Einstieg in die wunderbare Welt des Ben Vaughn empfehle ich die fantastische Compilation „Mood Swings“, eine vollgepackte CD ohne einen einzigen schlechten Song. Wenn mir noch mehr Gründe einfallen, warum Ben Vaughn klasse ist, werde ich das hier fortsetzen. Wenn dir welche einfallen, poste die doch einfach in den Kommentaren. Und denkt immer dran:

Hey! Hey! Hey! Hey! – Oh yeah!

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Alternative, Musik, Pop, Texte

Eine Antwort zu “Warum ich Ben Vaughn Fan bin

  1. Call Me Appetite

    Ich will auch Fan werden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s